Donnerstag, 1. Februar 2018

"Sein, wer man sei" 01 | Zugespielte Zitate




Am Ende möchte er allem entgehen, kann es aber nicht und trifft so auf den Tod, den Knopfgießer, der zu ihm sagt: «Du selbst warst du nie, doch . . . ». Worauf Peer Gynt ihn fragt: «Was ist dieses sein, der man ist?» Der Knopfgießer: «Sei du selber, das meint: geh dir selbst an den Kragen.» (Arno Grün: Der Fremde in uns, Klett-Cotta, 2000, S.76)

Der Psychoanalytiker und Philosoph Arno Gruen spielt mit dem notorisch rollenwechselnden Peer Gynt auf Personen an, die in Rollen, die ihre Außenwirkung(en) vollständig internalisiert haben und von denen letztlich - das berühmte Bild des Schälens der Zwiebel im 5. Akt* - keine "Substanz" übrig bleibt. 


*"Das hört ja nicht auf! / Immer Schicht noch um Schicht! / Kommt denn der Kern nun nicht endlich ans Licht?! / (Zerpflückt die ganze Zwiebel.) / Bis zum innersten Innern, – da schau' mir einer! / Bloß Häute, – nur immer kleiner und kleiner. / Die Natur ist witzig! (Wirft den Rest fort.) Verdammtes Gegrübel! / Geht eins in Gedanken, gerät's ihm oft übel. / Na,ich kann ja nichts an Haltung verlieren; / Denn ich lieg' ja grundfest auf allen Vieren..."

Vielleicht wird man Gruen, ob dessen Pessimismus mir angst und bange werden kann, nicht so weit folgen wollen, das Modell "Peer Gynt" auf Hitler anzuwenden, doch mag die Social Media-Reality-Travestie uns heute mitunter doch sehr an das Gynt'sche Maskenspiel erinnern: Die Maske hinter der Maske hinter der Maske, darunter sich niemand oder ein Niemand verbirgt.


Dies erinnert mich an jenen, in diversen Clubs wiederholt angetroffenen jungen Mann, der stets und ununterbrochen eine "Anonymous"-Maske trug. Als er eines Nachts ohne Maske auftauchte, erkannten wir ihn nicht, bis er sich als "Der Mann mit der Maske" identifizierte. 


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"Sein, wer man sei" als "Selbstzucht"?


Das zweite Zitat öffnet die Schere zur zweiten Variante des "autoritären Charakters", dem Ideal der Männlichkeit qua Härte:

"Wer hart gegen sich ist, der erkauft sich das Recht, hart gegen andere zu sein, und rächt sich für den Schmerz, dessen Regungen er nicht zeigen durfte, de er verdrängen musste."

Adornos Verdikt über ein Ideal der Männlichkeit, die aus der (selbst)auferlegten Härte die Legitimation ableitet, hart zu anderen sein zu dürfen, zielt auf eine Durchbrechung und Befriedung der Zirkel von Gewalt im Sinne einer "Erziehung nach Auschwitz", welche den Gewaltquotienten innerhalb der Gesellschaft zu reduzieren vermöge und derlei Exzessen vorzubeugen imstande sei.

Dem zitierten Satz über das unglückselige Ideal der "männlichen" "Härte" (hierzu haben die Gender-Diskurse seit Theweleits "Männerphantasien" speziell in jüngerer Zeit viel reflektiert) stellt Adorno folgende - eine Alternative benennende - Bemerkung gegenüber:


"Die einzig wahrhafte Kraft gegen das Prinzip von Auschwitz wäre Autonomie, wenn ich den Kantischen Ausdruck verwenden darf; die Kraft zur Reflexion, zur Selbstbestimmung, zum Nicht-Mitmachen." (Adorno, "Erziehung nach Auschwitz").

Zucht und Selbstzucht: Gewalt in der Erziehung kann dazu führen, dass die solcherart erzogene Person früher oder später a. sich selbst Gewalt antut und/oder b. anderen Menschen oder Lebewesen Gewalt antut. 


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Wie treten wir der Vererbung und Weitergabe von Gewalt entgegen?

Vermag das Individuum alleine den Circulus vitiosus der Gewalt zu durch/brechen?

"Si vis pacem, para bellum": Wie weit reicht - und wozu führt uns - der Kampf für den eigenen Frieden?


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To be cont'd: Motivik "Sparta | Sybaris"



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Dienstag, 16. Januar 2018

autofill


Statt "Danke" kommt "Darmkrebs". 
Und das in einem Ein-Wort-Mail.

                                                               #kommunikationstechnologie

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Mittwoch, 10. Januar 2018

litblogs.net: Lesezeichen 04/2017 - 10 Jahre Herausgabe Abendschein/Zintzen





Die traditionelle litblogs-Quartalsanthologie, das "Lesezeichen" (Ausgabe 04/2017), ist soeben erschienen. 
Die Kooperation der litblogs-Herausgebenden Abendschein/Zintzen (Bern/Wien) währt damit genau 1 Jahrzehnt.





In dieser Ausgabe:  Alltagssinfonien, Bücher, die sich überall einmi­schen, Porzellan und Tauben, die Kreativität der Textauslöschung, Randzonen und Botanisiertrommeln, die Rache im Kühlschrank, herr tourtemagne kommt zu spät, Herr URZ wird Bundeskanzler, der Dauerzustand des per se Beauftragtseins, das Wort "ummeln", Aachen lebt augenscheinlich, Rampensäue männlich und weiblich, Mysterien der Freihandaufstellung ... uvm.


⇒ ZUM INHALT ...


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Dienstag, 9. Januar 2018

New Track | Transpositions

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110 bpm > 120 bpm > 115 bpm > 126 bpm > 110 bpm





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Montag, 8. Januar 2018

rondo | wortstoff "o"




trotzpotz 
hotspot 
robot 
solo 
torlos 

rotztrotz 
kotzprotz 
motzkopf 
kohlkopf 
offpost 

popvoll 
kopfklon 
motto
rotor 
formlos 

vollrot 
foto 
phono 
folklor 
moron 

tollmost 
ostklotz 
vorkotz 
notstrom
trostlos 

honor 
tonohr 
sonor 
sofort 
vollkorn 

mono 
loswort 
notton 
motor 
zoovolk 

motto 
hornochs 
lotto 
loko 
schoko 

rohstoff 
proporz 
lots of
moortorf
trotzpotz

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Dienstag, 2. Januar 2018

denn die welt wartet nicht auf uns




Die erste Einsicht dieses Jahres.
Wir arbeiten weiter an der Transzendenz, die auch 2018 im Reich tätiger Erkenntnis liegt. 



 

Text © Angela Merkel - Edit + Sound: P.O.V.- Productions

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Montag, 1. Januar 2018

Fraktalgeschichten | News Ticker 2017-2018



Gewalt und Predigten
Kommunikationskanäle






Newsticker Welt 24 |  31.12.2017, 14:35 Uhr bis 01.01.2018, 10:30 Uhr*